IMG_0877 KopieIm Rheinischen Mühlen-Dokumentationszentrum (RMDZ) Gymnicher Mühle wird am 24. März 2010 die Ausstellung "Die Frechener Bäche - einst und jetzt" eröffnet, die von der Arbeitsgruppe "Frechener Bäche" des Geschichtsvereins konzipiert und umgesetzt worden ist. Nachdem die Stellwände bereits in der Ringschule, in der Kreissparkasse Frechen und der Abtei Brauweiler zu sehen war, freut sich der Geschichtsverein nun über das Interesse des Mühlenverbandes Rhein-Erft-Rur.

Seit Februar 2008 befasst sich der Vorstand des Frechener Geschichtsvereins mit der Historie der Bäche im heutigen Stadtgebiet, nachdem die Geschäftsleitung des Mühlenverbandes Rangeregt hatte, sich im Rahmen des Regionale 2010-Projektes der Stadt Köln, den Unterlauf des Frechener Baches zu revitalisieren, mit dem Quellgebiet, dem Oberlauf und dem Mittelabschnitt des Gewässers in den vergangenen 100 Jahren zu befassen. Viele Stunden waren Volker H.W. Schüler und sein Partner Wolfgang Glaser in Bachem, Marsdorf und im Bereich der Militärringstraße unterwegs, um den Ist-Zustand des Baches fotografisch zu dokumentieren. Das Ergebnis der Begehung ist auf 16 Bildtafeln zusammengefasst. Ferner wird ein Einblick in den Stand der Archiv-Recherche nach historischen Zeitzeugnissen zum Thema gegeben.

Die Gewinnung von Braunkohle, ihre Veredelung zu heizkräftigen Briketts oder zu elektrischer Energie sowie die Massenherstellung von Steinzeug-Rohren und die Produktion von chemischen Erzeugnissen haben das Erscheinungsbild und den ursprünglich ländlichen Charakter des früheren Landkreises Köln nachhaltig geprägt und verändert. Bekanntlich haben die Industrie-Unternehmen im ausgehenden 19. Jahrhundert wenig Rücksicht auf die Belastung des Arbeits- und Lebensraumes durch verschiedenartige Formen der Verschmutzung genommen. Ehe erste Vorschriften zum Schutz der Umwelt wirksam wurden, diente seit jeher die natürliche Vorflut für die Beseitigung unerwünschter, nicht mehr nutzbarer oder sogar gesundheitsschädlicher Nebenprodukte des Gewinnungs- oder Herstellungsverfahren.

Verursacher massiver biologischer Verunreinigungen der Bäche war neben mittelständischen Gewerbe-Unternehmen die Wohnbevölkerung. Sie nutzte die durch die Siedlung führenden offenen Gewässer neben der Trinkwasserversorgung vielfach auch als Kloake. Die hausnahe Entsorgung von Abwasser und Kleinabfällen führte außerhalb der Bebauung durch Aufstauung von organischen Abfällen, Speiseresten und Dung sowie durch die von Gewerbebetrieben eingebrachten Kohle-, Sand- Ton-Beimengungen immer wieder zu weitläufigen Überschwemmungen. Die Anrainer am Unterlauf der Bäche hatten nicht nur Grund, sich über Geruchsbelästigungen zu beklagen.

IMG_0974 KopieAuch in den einstigen Gemeinden Frechen und Bachem sind die beiden Bäche im Zeitalter der Industrialisierung zur Abwässerbeseitigung genutzt worden. Zum Teil bereits früh verrohrt, außerhalb der Siedlungszonen als offenes Gerinne schob sich die mit ausgefilterter Bierhefe und Stallmist durchsetzte schwarzbraune Schlammflut über Jahrzehnte auf Köln zu. Akten und Gutachten von den zahlreiche gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Köln und der Gemeindeverwaltung Frechen/Bachem geben Einblick in hygienische und ökologische Verhältnisse entlang des Wasserlaufs, wie sie heute kaum mehr vorstellbar sind.

Die Ausstellung ‘Frechener Bäche — einst und jetzt’ ist bis auf weiteres in den Geschäftsräumen des Rheinischen Mühlen-Dokumentationszentrums, Gymnicher Mühle, 50374 Erftstadt-Gymnich, zu sehen. Eine Anmeldung bzw. die Vereinbarung eines Besuchstermins für Gruppen ist über die RMDZ-Geschäftsstelle (Tel. 02271-83 4167) erforderlich; die Kosten betragen 3,00 Euro pro Person.